www.ocg.at
www.icdl.at
www.ocg.at/biber
www.coding4you.at/prompting
Prompting-Spickzettel
Dieser Spickzettel bündelt die wiederkehrenden Kerngedanken aus mehreren Prompting-Cheat-Sheets zu einer klaren,
professionellen und praxistauglichen Übersicht. Ziel ist nicht ein möglichst „cleverer“ Prompt, sondern ein präziser,
belastbarer Arbeitsauftrag für KI-Systeme.
Zielbild: klare Aufgabe + relevanter Kontext + sauberes Ausgabeformat + sinnvolle Grenzen
1. Die Grundstruktur eines guten Prompts
Fast alle guten Prompts folgen derselben Logik: Aufgabe, Rolle, Kontext, Zielgruppe, Methode, Ton und Format.
| Baustein |
Frage, die beantwortet werden sollte |
Beispiel |
| Rolle |
Aus welcher fachlichen Perspektive soll die KI antworten? |
„Handle als erfahrener Projektmanager.“ |
| Aufgabe |
Was genau soll erstellt, analysiert oder umgeschrieben werden? |
„Erstelle einen Maßnahmenplan zur Einführung.“ |
| Kontext |
Welche Hintergründe, Ziele, Randbedingungen oder Vorinformationen sind relevant? |
„Das Team ist klein, das Budget begrenzt, der Start ist in 6 Wochen.“ |
| Zielgruppe |
Für wen ist das Ergebnis gedacht? |
„Für Mitarbeitende ohne technischen Hintergrund.“ |
| Ton/Stil |
Wie soll die Antwort klingen? |
„Sachlich, freundlich, klar und ohne Marketing-Sprache.“ |
| Format |
Wie soll das Ergebnis aufgebaut sein? |
„Als Tabelle mit Spalten für Risiko, Auswirkung und Maßnahme.“ |
| Einschränkungen |
Was soll vermieden oder eingehalten werden? |
„Maximal 300 Wörter, keine Anglizismen, keine unbelegten Behauptungen.“ |
2. Merksatz
Rolle + Aufgabe + Kontext + Zielgruppe + Format + Einschränkungen = starker Prompt
Kurzformel:
„Handle als [Rolle] und erledige [Aufgabe] auf Basis von [Kontext]. Das Ergebnis ist für [Zielgruppe] gedacht. Gib es als [Format] aus. Beachte dabei [Einschränkungen].“
3. Die robuste Standardvorlage
Diese Vorlage funktioniert für die meisten Textaufgaben in Beruf, Studium und Alltag.
Handle als [Rolle].
Erledige folgende Aufgabe: [konkrete Aufgabe].
Kontext: [relevante Hintergründe, Ziele, Daten, Beispiele].
Zielgruppe: [für wen das Ergebnis gedacht ist].
Gewünschter Ton: [z. B. sachlich, präzise, motivierend].
Ausgabeformat: [z. B. Tabelle, Liste, E-Mail, HTML, Markdown, JSON].
Wichtige Vorgaben: [Länge, Struktur, Verbote, Prioritäten].
4. Was gute Prompts besser macht
Sei konkret
Unklare Wünsche erzeugen allgemeine Antworten. Nenne Thema, Ziel, Umfang und Qualitätsmaßstab.
Gib relevanten Kontext
Die KI braucht nicht „mehr Text“, sondern die richtigen Informationen.
Bestimme das Format
Ein gutes Format spart Nacharbeit: Tabelle, Checkliste, Gliederung, HTML, JSON.
Setze Grenzen
Länge, Lesbarkeit, Fachsprache, Quellenlage, Zielgruppe und Verbote schärfen das Ergebnis.
5. Sinnvolle Rollen
Rollen sind nützlich, wenn sie den Blickwinkel präzisieren. Sie ersetzen keine Fachinformationen.
Lehrkraft
Projektmanager
Redakteur
Analyst
Recruiter
Kundenservice-Mitarbeiter
Marketingspezialist
UX-Texter
Entwickler
Wissenschaftlicher Assistent
Wichtig:
Eine Rolle ist nur dann hilfreich, wenn sie den Maßstab der Antwort verändert. „Handle als Genie“ ist wenig nützlich,
„Handle als juristisch vorsichtiger Fachredakteur“ ist deutlich besser.
6. Häufige Aufgabentypen
- erklären
- zusammenfassen
- analysieren
- vergleichen
- umformulieren
- korrigieren
- strukturieren
- ideen entwickeln
- planen
- Code schreiben oder prüfen
- SEO-Schlüsselwörter ableiten
- E-Mails, Blogtexte, Skripte oder Beschreibungen erstellen
7. Nützliche Ausgabeformate
- Liste oder Checkliste
- Tabelle
- Zusammenfassung
- Fließtext
- Markdown
- HTML
- JSON oder XML
- Code
- Gantt-Plan oder Zeitplan
- Präsentationsstruktur
8. Erweiterte Prompting-Techniken
Few-Shot Prompting
Gib 1 bis 3 Beispiele vor, wenn Stil, Ton oder Format sehr genau getroffen werden sollen.
Schrittweise Bearbeitung
Lasse komplexe Aufgaben in Teilschritten lösen: analysieren, gliedern, erst dann formulieren.
Iteratives Prompting
Nutze die erste Antwort als Entwurf und verfeinere gezielt: kürzer, präziser, formeller, einfacher.
Begrenzungen setzen
Definiere, was ausgeschlossen ist: keine Fachbegriffe, keine Wiederholungen, keine unbelegten Aussagen.
Platzhalter verwenden
Für wiederverwendbare Vorlagen mit variablen Feldern wie [ZIELGRUPPE], [PRODUKT], [KANAL].
Zielgruppenbezug
Passe Sprache, Detailtiefe und Beispiele an Vorwissen, Alter oder Rolle der Leserschaft an.
9. Gute Befehlsverben
Präzise Verben führen zu präziseren Antworten.
| Zweck |
Geeignete Verben |
| Lernen |
erkläre, veranschauliche, fasse zusammen, erstelle eine Analogie |
| Analyse |
analysiere, bewerte, kritisiere, vergleiche, identifiziere Schwächen |
| Schreiben |
verfasse, formuliere um, kürze, erweitere, strukturiere |
| Ideenfindung |
brainstorme, generiere Varianten, entwickle Ansätze |
| Formatierung |
gib aus als, strukturiere in, stelle dar als |
10. Ton, Stil und Lesbarkeit
sachlich
freundlich
prägnant
überzeugend
formell
narrativ
deskriptiv
didaktisch
Praxisregel:
Nicht nur den Stil nennen, sondern auch die sprachliche Wirkung beschreiben, etwa:
„Schreibe sachlich, mit kurzen Sätzen und ohne werbliche Übertreibungen.“
11. Der professionelle Arbeitsablauf
- Aufgabe präzise formulieren.
- Notwendigen Kontext ergänzen.
- Zielgruppe und Zweck festlegen.
- Ausgabeformat bestimmen.
- Einschränkungen nennen.
- Ersten Entwurf prüfen.
- Gezielt nachschärfen: zu lang, zu vage, zu technisch, zu allgemein.
Typische Verfeinerung:
„Der Entwurf ist inhaltlich brauchbar. Bitte kürze ihn auf 180 Wörter, richte ihn an Einsteiger, streiche Wiederholungen und formuliere den Schluss handlungsorientierter.“
12. Häufige Fehler
Zu allgemein
„Schreib etwas über KI“ liefert selten ein gutes Ergebnis.
Ohne Kontext
Ohne Ziel, Anlass oder Zielgruppe bleibt die Antwort generisch.
Kein Format vorgegeben
Dann muss das Ergebnis oft nachträglich umgebaut werden.
Keine Qualitätsgrenzen
Ohne klare Vorgaben entstehen zu lange, zu werbliche oder zu technische Texte.
Zu viele Wünsche auf einmal
Besser erst analysieren, dann strukturieren, dann ausformulieren.
Fakten blind übernehmen
Bei sensiblen Themen immer um Kennzeichnung von Unsicherheit oder um Quellenbasis bitten.
13. Prompt-Muster für typische Anwendungsfälle
A. E-Mail-Antwort
Handle als professioneller Assistent.
Verfasse eine höfliche E-Mail-Antwort auf die folgende Nachricht: [Text].
Ziel: [z. B. Termin verschieben / Rückfrage klären / Angebot annehmen].
Ton: sachlich und freundlich.
Format: direkt versandfähige E-Mail mit Betreff und Grußformel.
Vorgaben: maximal 150 Wörter.
B. Erklärung für Einsteiger
Erkläre [Thema] für [Zielgruppe].
Nutze einfache Sprache, kurze Sätze und ein anschauliches Beispiel.
Vermeide unnötige Fachbegriffe.
Strukturiere die Antwort in 3 Abschnitte: Was ist es? Warum ist es wichtig? Beispiel.
C. Analyse
Analysiere den folgenden Text / Plan / Vorschlag: [Inhalt].
Bewerte Stärken, Schwächen, Risiken und Verbesserungsvorschläge.
Gib das Ergebnis als Tabelle aus.
Sei kritisch, aber sachlich.
14. Prompt-Baukasten
Rollenstarter
Handle als ...
Aufgabenstarter
Erstelle / analysiere / formuliere / vergleiche / bewerte ...
Formatstarter
Gib das Ergebnis als Tabelle / HTML / Liste / JSON / E-Mail aus.
Grenzenstarter
Verwende keine Fachsprache / maximal 5 Punkte / nur sichere Informationen.
15. Vorlage für hochwertige Prompts
Handle als [Rolle].
Deine Aufgabe:
[genaue Aufgabe]
Kontext:
[relevante Hintergründe, Ziele, Einschränkungen, Daten, Beispiele]
Zielgruppe:
[wer das Ergebnis lesen oder nutzen soll]
Ausgabeformat:
[Liste, Tabelle, HTML, Markdown, JSON, E-Mail, Bericht etc.]
Ton und Stil:
[sachlich, klar, knapp, didaktisch, formell etc.]
Wichtige Vorgaben:
[- gewünschte Länge]
[- was enthalten sein muss]
[- was vermieden werden soll]
[- ob Unsicherheiten gekennzeichnet werden sollen]
16. Bild-Prompting in Kurzform
Mehrere Cheat-Sheets erwähnen auch Bildgeneratoren. Dort funktionieren Prompts eher als präzise Motivbeschreibung.
| Baustein |
Beispiele |
| Hauptmotiv |
Löwe, Architekturmodell, Person am Schreibtisch |
| Details / Handlung |
mit cybernetischem Auge, beim Lesen, im Regen stehend |
| Umgebung |
Großstadt bei Nacht, Wald, Studiohintergrund |
| Stil / Medium |
fotorealistisch, Aquarell, 3D-Render, Vektorgrafik |
| Licht / Atmosphäre |
weiches Licht, Neonlicht, ruhig, dramatisch |
| Kamera / Perspektive |
Nahaufnahme, Weitwinkel, Vogelperspektive, 35-mm-Look |
17. Schlussregel
Ein guter Prompt ist kein Zauberspruch.
Er ist ein sauber formulierter Arbeitsauftrag. Je klarer Zweck, Rahmen und Qualitätsanspruch beschrieben sind,
desto verlässlicher wird das Ergebnis.